Gedankenfetzen

Hallo ihr Lieben,

ich melde mich heute mit einem etwas nachdenklicheren Beitrag. Normalerweise poste ich zu solchen Sachen eher selten etwas auf meinen sozialen Netzwerken, sei es nun auf Instagram, meinem Blog oder Facebook, nicht, weil ich meine Anteilnahme nicht zeigen möchte oder weil es mich nicht interessiert, sondern gehe ich eben anders mit solchen Dingen um und möchte dass meine sozialen Netzwerke eine Art Zufluchtsort für mich bleiben, mein „happy place“ eben.

Habt ihr von diesem schrecklichen Auffahrunfall am Gotthardtunnel gehört? Ein Lkw ist in ein Stauende gekracht und hat eine vierköpfige Familie in den Tod gerissen. Die Nachrichten bei uns sind derzeit voll davon, überall wird aktuell darüber gesprochen, wie man solche Unfälle vermeiden kann. Wie passiert so etwas überhaupt? Unachtsamkeit des Fahrers? In den meisten Fällen wahrscheinlich ja – schrecklicher Gedanke, dass eventuell eine ganze Familie „ausgelöscht“ wurde, weil Jemand hinterm Steuer abgelenkt war durch Handy oder Zeitung, etc. pp.

Ich weiß es gibt momentan sehr viele Missstände in unserer Welt und im Vergleich zu dem, was insbesondere in der letzten Zeit immer häufiger passiert, erscheint ein solcher Unfall wohl eher „unwichtig“. So viele Schreckensnachrichten erreichen uns tagtäglich; es gibt so viele Probleme, die es zu bekämpfen gilt aber dann gibt es natürlich auch noch diese grauenhaften Unfälle, die nichts mit Terrorismus zu tun haben, sondern einfach passieren, weil sie eben passieren – weil das Leben sie nun mal so vorgesehen hat.

Ich habe in den letzten Tagen häufig gesehen, dass Leute, die eben nicht jede freie Minute damit verbringen über all die Anschläge zu posten oder zu sprechen, sondern mit ihrem Leben weiter machen, angegriffen werden von wegen sie würden keine Anteilnahme zeigen. Hauptsächlich sehe ich das derzeit auf Facebook und ich finde es schrecklich. Natürlich sind diese Dinge schlimm und ich bin mir sicher, dass diese Geschehnisse an Niemandem einfach so vorbei gehen aber bedeutet das, dass wir nun unser ganzes Leben genau darauf ausrichten müssen? Sollen wir uns jetzt zu Hause unter der Bettdecke verkriechen und weinen und nie wieder vor die Tür gehen, weil es einen weiteren Anschlag gab? Glaubt mir ich habe diesbezüglich schon viele Tränen vergossen, weil ich es einfach nicht verstehen kann und auch nicht akzeptieren möchte zu was für einem Ort unsere Welt geworden ist, aber das bedeutet nicht, dass ich mir mein eigenes Leben dadurch kaputt machen lasse, sei es nun durch diese schrecklichen Taten oder eben durch solche Leute die glauben, andere angreifen zu müssen, weil deren Facebook Feed nicht nur durch das Teilen von Schreckensnachrichten gefüllt wird. Nur weil man auf seinen sozialen Netzwerken nichts darüber postet bedeutet das nicht, dass man keine Anteilnahme zeigt. Wir alle haben ein Leben außerhalb der Sozialen Medien und was wir da tun, weiß Niemand. Ich finde es daher unter aller Kanone Leute anzugreifen und zu verurteilen obwohl man sie eigentlich gar nicht kennt.

Und wieso werden dann solche schrecklichen Nachrichten wie dieser Unfall vergessen? Wieso interessiert es keinen, dass in all den Dritte Welt Ländern jeden Tag Kinder sterben weil sie kaum bis gar nichts zu Essen haben? Wieso postet niemand über die Länder, in denen mehrmals täglich solche Anschläge stattfinden oder eben auch über diese schrecklichen Unfälle, die Menschen in den Tod reißen – meist aus irgendwelchen dummen Gründen, die einfach kein Mensch verstehen kann. Wieso schreibt darüber niemand was? Dann ist es okay, sein Leben weiter zu führen, aber nicht wenn erneut ein Terroranschlag im eigenen Land stattgefunden hat?

Ich verstehe, dass die Menschen verängstigt und wütend sind (das bin ich auch), viele schaffen es vielleicht einfach nicht richtig ihre Gedanken zu ordnen; sind überfordert mit der Situation, aber ein Terroranschlag in Somalia ist ebenso schrecklich wie ein Terroranschlag in Frankreich, oder ein Amoklauf in Deutschland, oder ein selbst verursachter Flugzeugabsturz durch die Hand eines Co-Piloten oder eben ein totbringender Verkehrsunfall, wie es in der Schweiz nun der Fall war. Das eine hat politisch gesehen vielleicht mehr Gewicht, löst Ängste und Massenpaniken aus; führt zu noch schrecklicheren Dingen, aber am Ende kommen überall Menschen ums Leben, unschuldige Menschen, die nichts weiter wollten, als ihr Leben zu leben.

Bei diesem Autounfall waren die beiden Kinder gerade mal acht und dreizehn Jahre alt. So jung … das Leben der beiden hatte ja noch nicht einmal richtig angefangen. Wie muss sich die Familie wohl gefühlt haben, als der Lastwagen auf sie zu gerast kam? Hatten sie vielleicht Glück und gar nichts gemerkt? Hat der Fahrer den Lkw eventuell im Rückspiegel gesehen und versucht noch etwas zu unternehmen, aber ohne Erfolg, weil es einfach alles viel zu schnell ging? Das sind Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich so etwas höre. Mein Herz zieht sich förmlich zusammen und ich habe immer das Bedürfnis, etwas zu tun, diesen Menschen zu helfen aber wie?

Als ich vor ein paar Tagen in einer Gruppe von etwa 6 Leuten über diesen Unfall sprach, erfolgte von einer Person das Kommentar „Ja ist schlimm, aber es gibt momentan echt Schlimmeres und Wichtigeres.“ Ernsthaft Leute? Ja ich gebe zu, ein Terroranschlag ist natürlich nicht vergleichbar mit einem Autounfall, weil eben so viel mehr dahinter steckt. Ein Autounfall geschieht (meist) nicht durch ein boshaftes Verhalten, aber trotzdem ist es schlimm – für mich sind solche Nachrichten ebenso schlimm, wie wenn es heißt, dass in einer Kirche Geiseln genommen und dem Pfarrer die Kehle durchgeschnitten wurde. Wie gesagt, politisch und gesellschaftlich gesehen hat das eine natürlich mehr Gewicht als das andere, aber auch die Familienangehörige dieser Familie haben unsere Anteilnahme verdient, unsere Gebete, dass sie die ihnen wohl bevorstehende schlimmste Zeit ihres Lebens gut durchstehen mögen.

Manchmal braucht es nur eine Sekunde, nur ein Wimpernschlag um ein Menschenleben auszulöschen und das ist es, was mir so Angst einjagt. Dabei spielt es keine Rolle, wie es passiert. Ein Menschenleben ist ein Menschenleben, alle gleich wertvoll, alle einmalig und so zerbrechlich. Wir haben alle nur das eine Leben, diese eine Welt, in der wir für eine kurze Zeit Gast sein dürfen. Sollten wir dann nicht zumindest versuchen, die Welt ein Stück besser zu machen? Dazu gehört auch, sich nicht gegenseitig anzugreifen – denn auch wenn das nur Nichtigkeiten sind im Vergleich mit den viel schlimmeren Dingen die in unserer Welt passieren, sind genau das meist die Anfänge die zu größeren Taten führen.


Es tut mir Leid für den eventuell etwas chaotischen Beitrag, allerdings brauchte ich gerade einfach ein paar Momente; ein paar Zeilen mir das mal von der Seele zu schreiben.

6 Gedanken zu “Gedankenfetzen

  1. Ich steh vollkommen hinter deinem Beitrag, für mich ist so eine Nachricht mindestens genau so schlimm.. ich finde man sollte solche schreckensnachrichten auch nicht an einem Grad festmachen was den eventuell schlimmer sei.

    Ganz im Gegenteil, ich beachte Anschläge und sonstiges weniger beachtung, ohne dabei die OPFER zu vergessen und zu ehren, weil das genau das ist was die „bösen“ Menschen wollen. Ich finde man sollte diesen Leuten einfach keine Plattform bieten.

    Ich hab Gänsehaut bekommen als ich die Schreckensmeldung gelesen hatte mit dem Autounfall. Ich bin selbst Mutter und kann mir nicht schlimmeres vorstellen. Jedoch bin ich auch eine dieser Personen die solche (egal welchen „härtegrad“) zur Kenntnis nimmt aber nicht lange daran „aufhalten“ kann. Ich kann sowas nicht mit meinem Seelchen ausmachen, es nimmt mich zu sehr mit.

    Danke für deine Meinung Liebes.

    Entschuldige die Rechtsschreibfehler 🙂

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    • Ich stimme dir wirklich voll und ganz zu. Ich finde es so schrecklich was sich manche Leute erlauben – die Aussagen die sie manchmal gegenüber anderen tätigen, weil sie was? Auf Instagram keinen halben Roman posten wie schlimm es doch ist, dass in München einer Amok gelaufen ist? Ja es ist schrecklich, so schrecklich, dass es mir das Herz zerreißt, und natürlich gedenke ich den Opfern, immer, bei jedem Anschlag, aber man darf dabei nicht die übrige Welt aus den Augen verlieren und schon gar nicht sein eigenes Leben – so schlimm die Welt auch ist, sein eigenes Leben muss man trotzdem genießen und in vollen Zügen leben ,man hat immerhin nur eins – und gerade deswegen erschrecken mich Nachrichten von solchen Unfällen auch total. Es hat mich echt zum Weinen gebracht und ich bekomm immer noch Gänsehaut wenn ich daran denke ❤

      Danke dir für dein super liebes Kommentar!

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  2. „Ein Menschenleben ist ein Menschenleben“. Schön gesagt, schön geschrieben ❤
    Ich habe von dem Autounfall gehört. Mein Herz zerbrach.. ein schrecklicher Gedanke, eine ganze Familie, einfach fort. Ich musste sofort an meine eigene Familie denken, an Freunde, an jeden. Jedes Schicksal zählt.
    – SR

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