BOOK REVIEW: Das Leben zwischen Jetzt und Hier von Cara Mattea

 

Es gibt Bücher, die einen gleich vom ersten Augenblick an in den Bann ziehen, dann gibt es wiederum Bücher, die eine Weile brauchen, bis sie einen überzeugen und auch welche, die einem, ganz gleich wie sehr man sich anstrengt, einfach nicht gefallen möchten. Und dann gibt es Bücher, die irgendwo dazwischenliegen; Bücher, die einen regelrecht wie ein Karussell hin und her wirbeln und irgendwie kann man sich am Ende doch nicht richtig entscheiden. Mochte ich das Buch nun, oder hat es mir doch nicht gefallen? Das Leben zwischen Jetzt und Hier ist ein eben solches Buch für mich, wieso fragt ihr, nachdem doch die meisten Rezensionen alle fast durchweg ausgesprochen positiv ausgefallen sind? Lasst es mich versuchen, zu erklären …

Autor: Cara Mattea
Titel: Das Leben zwischen Jetzt und Hier
Verlag: books2read
Erscheinungsdatum: 15. Januar 2017


Neue Uni, laute Großstadt, komplizierte WG – Emilia musste für ihr Medizinstudium ins hektische Berlin ziehen und ist darüber todunglücklich. Alles erscheint ihr fremd und furchteinflößend. Dann trifft sie den Modedesign-Studenten Leo, und plötzlich fühlt sich Emilia angekommen. Durch ihn lernt sie nicht nur die vielen bunten Ecken Berlins kennen, sondern sie erfährt auch zum ersten Mal, wie sich Liebe anfühlt – zartbitter. Leo verzaubert sie mit seiner Kreativität und seinem Charme. Aber bald schon muss Emilia erfahren, dass auf seinem Leben ein Schatten liegt, der ihre gemeinsame Zukunft in weite Ferne rücken lässt. Doch das was für die beiden zählt, ist das Leben zwischen Jetzt und Hier.

[Quelle: http://www.goodreads.com]



!REZENSION ENTHÄLT SPOILER!

Im Augenblick tue ich mich etwas schwer mit Romanen aus dem New Adult/Contemporary Genre. Als mich die liebe Cara anschrieb und fragte, ob ich nicht ihren Roman rezensieren möchte, war ich daher anfangs etwas skeptisch. Die Kurzbeschreibung hat mich dann allerdings doch neugierig gemacht. Ich stimmte also zu und möchte mich daher vorab noch einmal ganz herzlich bei der lieben Cara Mattea für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars bedanken.

Es brauchte nur wenige Seiten bis mir klar wurde, dass die Autorin über ein wahnsinnig beeindruckendes Schreibtalent verfügt. Jugendlich und nüchtern, aber doch irgendwie teilweise poetisch und so unfassbar emotionsgeladen, dass mir einigen Formulierungen und die Wahl verschiedener Ausrücke, Redewendungen, Dialoge, etc. pp. einen kalten Schauer über den Rücken jagten. Ihr Schreibstil hat mich absolut beeindruckt; da hat mich auch der ein oder andere Tippfehler, den ich tatsächlich noch entdeckt habe, gar nicht gestört. Hier muss ich der Autorin wirklich gratulieren. Ich bin wahnsinnig beeindruckt und hätte wahrscheinlich Stunden weiterlesen können – alleine wegen ihres großartigen Schreibstils.

Hinsichtlich der Geschichte gibt es da allerdings den ein oder anderen Punkt, der mich gestört hat; der mir nicht so gut gefallen hat, wie erhofft.

Das Buch beginnt mit dem Umzug von Mila nach Berlin. Sie ist auf der Suche nach einem bezahlbaren WG Zimmer. Zur Seite steht ihr dabei ihr bester Freund Phil und ebenso ihr Bruder Jojo, der wegen seines Jobs als Arzt nicht sonderlich viel Zeit hat. Auch Mila muss sich ihre Zeit als Medizinstudentin sehr gut einteilen, weshalb sie dringend auf ein ruhiges Zimmer angewiesen ist, um genug Zeit, Raum und Ruhe zum Lernen zu haben. Durch ein paar Kontakte findet sie schnell ein passendes Zimmer und trifft nur kurze Zeit später auch auf Leo, der ihr von der ersten Sekunde an den Kopf verdreht.

Zu Beginn glaubt man Zeuge einer sich schnell entwickelnden Romanze zwischen Mila und Leo zu werden; während des Lesens jedoch kristallisiert sich immer mehr heraus, dass es in dem Buch nicht alleine um die romantische Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren geht. Es geht um Liebe, Herausforderungen, Angst, Verlust, Krankheit … Auch wenn ich nie das Bedürfnis oder den Wunsch verspürte, Medizin zu studieren, habe ich eine Schwäche für alles Medizinische; solange es nur in Büchern, Filmen oder Serien vorkommt. Jemand, der nicht mal sein eigenes Bauchnabelpiercing wechseln kann ohne halb in Ohnmacht zu fallen oder die Damen und Herren vom roten Kreuz jedes Mal bittet, etwas über die Nadel im Arm zu legen beim Blutspenden wäre sicherlich kein sonderlich guter Arzt geworden. Als mir daher dann im Laufe der Geschichte klar wurde, dass in diesem Buch die Medizin mit unter auch im Vordergrund steht, habe ich einen Luftsprung vor Freude gemacht. Alles wirkte so echt, so real, so gut wiedergegeben, ich hatte teilweise wirklich Gänsehaut.

Was mich auch schon zu einem meiner absoluten Lieblingscharaktere bringt; wenn nicht gar mein absoluter Lieblingscharakter aus dieser Geschichte: Jojo. Johannes, Milas großer Bruder, Arzt in der Notaufnahme in einem Berliner Krankenhaus ist sprichwörtlich einer dieser Götter in Weiß. Er ist zuvorkommend, nett, er rettet Menschenleben, sorgt sich um Frau und Familie, ist immer da wenn man ihn braucht, scheut sich aber auch nicht, mal laut zu werden, wenn was schief läuft und seine ehrliche Meinung Kund zu tun. Während des Lesens hatte ich immer Derek Shepherd vor Augen, weniger das Aussehen, sondern eher das Auftreten. Diese selbstsichere, charmante Art … genau das ist Jojo. Gleich vom ersten Augenblick an war ich verliebt und ich hätte so gerne ein Buch nur über ihn; ihn und Lou. Denn leider wurde ich mit den eigentlichen Hauptcharakteren, Mila und Leo, nicht so ganz warm.

Mila erschien mir am Anfang ganz interessant, zielstrebig, selbstsicher … die meiste Zeit allerdings ging sie mir ziemlich auf die Nerven, was eventuell mit der meiner Meinung nach überschnellen romantischen Entwicklung ihrer Beziehung zu Leo zu tun haben könnte. Versteht mich nicht falsch, auch ich bin eine hoffnungslose Romantikern, mag es, wenn etwas wirklich romantisch ist, reagiere aber leider allergisch auf alles, was zu kitschig; mithin zu extrem ist. Wenn sich ein Paar also die ganze Zeit so sehr anschmachtet, dass sich schon fast eine Schleimspur auf dem Boden bildet, sich ständig nur mit „Hase“, „Babe“, „Baby“ und ähnlichen anspricht, immer nur aneinander hängt, sich in jedem zweiten Satz die große Liebe schwört, dann bin ich leider raus. Das zählt wahrscheinlich einfach zu den persönlichen Vorlieben, ich allerdings bin kein Fan davon und war daher teilweise echt genervt von Mila und Leo, gerade weil einfach alles so schnell ging – von heute auf Morgen irgendwie, zumindest hat es sich so angefühlt, waren sie verliebt, standen in Amsterdam und schworen sich die große Liebe.

Bezüglich Leo’s Krankheit, wie es sich dann später herausstellte, hat mich das ganze ein Stück weg zu sehr an The Fault In Our Stars von John Green erinnert. Es war nicht die Krankheit an sich, sondern es gab anderweitige Parallelen, die meine Gedanken immer wieder zu Augustus und Hazel gelenkt und mich für einen Moment Mila und Leo haben vergessen lassen, was ja nicht Sinn der Sache ist.

Der Krankheitsverlauf wirkte auf mich, für Jemanden der keine Ahnung und sein „Fachwissen“ lediglich Grey’s Anatomy zu verdanken hat, realistisch. Am Ende gab es vielleicht ein bisschen zu viel Dramatik für meinen Geschmack, aber auch das sind natürlich Vorlieben oder Abneigungen, die man hat. Entweder man mag es, oder man mag es nicht.

Das hier eine Medizinstudentin auf einen Modedesignstudenten trifft, finde ich sehr interessant. Es handelt sich hier bei Mila und Leo um zwei vollkommen verschiedene Charaktere; Charaktere, wie sie verschiedener eigentlich nicht sein könnten. Und trotzdem dürfen wir sie auf ihrer Reise begleiten, wie sie – vielleicht etwas zu schnell – schließlich zueinander finden, allerdings nicht, ohne, dass man ihnen ein paar Steine bzw. teilweise echt große Felsbrocken in den Weg legt.

Was mich am Ende ebenfalls noch etwas gestört hat ist, dass Phil, Milas angeblich bester Freund, komplett verschwunden ist. Während des Lesens ist er ohnehin nur noch sporadisch aufgetaucht, aber trotzdem hörte man hin und wieder was von ihm. Zum Ende hin wurde er gar nicht mehr erwähnt, als wäre er einfach vergessen worden.

Es gab Momente in denen konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen; allerdings gab es auch Momente, in denen ich so genervt von den Charakteren war, dass ich zwei oder drei Tage gar nicht in der Geschichte gelesen habe. Die Spannung war es, der wundervolle Schreibstil und Jojo, die mich haben weiterlesen lassen.

Alles in allem hat mir das Buch gefallen, am Ende – ja ich gebe es zu – habe ich sogar das ein oder andere Tränchen verdrückt, weil die Emotionen einfach so echt; so real waren, dass ich gar nicht anders konnte. Wie gesagt, alles dem Schreibstil der Autorin zu verdanken. Da kann man glatt neidisch werden. Ich würde sagen es hält sich so die Waage, wenn nicht doch das Gute überwiegt. Ich mochte das Buch auf jeden Fall genug, um den zweiten Teil lesen zu wollen und ich bin schon ganz gespannt darauf, was noch alles passieren wird. Und ja, ich hoffe auf ganz viel Jojo.

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