BOOK VS. MOVIE: Before I Fall

Manche lieben, manche hassen sie: Buchverfilmungen. Ganz gleich ob unsere liebsten Werke als Film oder Serie auf den Bildschirm bzw. auf die große Leinwand gebracht werden, es kommt mehr als einmal vor, dass unsere Erwartungen enttäuscht werden und unseren Vorstellungen nicht entsprochen wird.

„Das Buch war besser“, hört und sieht man überall in den Sozialen Netzwerken. Dabei vergessen viele, dass ein Buch im Normalfall als Film oder Serie in der Form nicht funktionieren kann, sprich, Dinge werden geändert, Namen und Charaktere angepasst, Szenen verkürzt, vielleicht sogar weggelassen und neue hinzugefügt. Im Prinzip bin ich der Meinung, dass ein Vergleich zwischen Buch und Film nicht viel Sinn macht. Buch und Film sind zwei völlig verschiedene Medien. Während ein Buch mit jedem Wort zum Stellvertreter eines Bildes wird, welches sich der Leser ganz individuell in seinen Gedanken selbst zusammenstellt, spiegelt der Film lediglich die Vorstellungen einer bestimmten Gruppierung von Menschen wieder, unter anderem die der Regisseure, Schauspieler, Autoren, etc. pp. Diejenigen versuchen die Geschehnisse natürlich, meist in Absprache mit dem Autor, so gut wie möglich umzusetzen, treffen dabei aber natürlich nicht Jedermanns Geschmack. Der eine mag die Musik nicht, ein anderer die Schauspieler oder die Dialoge nicht; wieder ein anderer findet den Schnitt oder die Kameraführung schrecklich, vielleicht stören einige auch einfach bloß die ganzen Änderungen, die man vorgenommen hat, um das Buch filmtauglich zu machen. Ein Buch regt die eigene Fantasie an; während wir von einem Film bereits alles fertig vorgelegt bekommen. Hier brauchen wir uns keine Gedanken darüber zu machen, wie die Person wohl aussieht oder dessen Stimme klingt. Es ist unmöglich, Jedermanns Vorstellungen zu treffen, ganz gleich wie gut eine Buchverfilmung auch sein mag. Es wird immer Jemanden geben, der sie nicht mag. Ein weiterer Faktor ist natürlich die Zeit. Würde man jede einzelne Szene eines jeden Buches umsetzen, hätten wir Filme in Überlänge; Filme die womöglich über mehrere Stunden hinweg laufen und uns am Ende nur langweilen würden. Es ist zeitlich einfach nicht umsetzbar, mithin muss man sich auf das Wesentliche eines Buches beschränken um eben genau das ist 1,5 Stunden Film so gut wie möglich wiederzugeben.

Wie ihr also seht, gibt es sehr viele Punkte, die gegen einen direkten Vergleich zwischen Film und Buch sprechen. Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die tatsächlich Buch und Film, meist jedenfalls, unabhängig voneinander betrachten. Es spielt für mich keine besonders große Rolle, ob und welche Änderungen vorgenommen werden; welche Schauspieler letztendlich gecastet werden, ob die Haarfarbe stimmt oder was auch immer. Ich versuche den Film zu genießen; versuche dieses kleine böse Männchen in meinem Kopf das mir immer wieder zuruft „Im Buch war das aber doch ganz anders“ auszublenden (was natürlich nicht immer funktioniert) und deshalb habe ich mich dazu entschieden, eine neue Kategorie einzuführen. In meinen BOOK vs. MOVIE Beiträgen werde ich fortan versuchen, Bücher und deren Buchverfilmungen auf ein gewisse Art zu vergleichen, aber dennoch separat zu betrachten um so meine Empfindungen und Eindrücke besser zu verdeutlichen.

Dank des Carlsen Verlages habe ich auch direkt Material für meinen ersten Buch/Film Vergleich. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich dafür bedanken, dass ich ihm Namen des Carlsen Verlages Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie von Lauren Oliver nicht nur lesen, sondern auch den Film anschauen durfte um nunmehr beides miteinander vergleichen zu können. Vielen Dank sowohl für das Rezensionsexemplar, als auch für die Kinofreikarte!

!!! DER NACHFOLGENDE TEXT ENTHÄLT SPOILER, SOWOHL FÜR DAS BUCH, ALS AUCH FÜR DEN FILM !!!

 

Wenngleich mich Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie, nicht unbedingt von der ersten Seite an begeistern konnte (meine Rezension findet ihr HIER), so empfand ich die zweite Hälfte des Buches als sehr beeindruckend, speziell, herzzerreißend und sehr gefühlsintensiv. Ein Tag, nachdem ich das Buch beendet hatte, habe ich mir sodann auch den Film von Ry Russo-Young angesehen.

Wie oben bereits erwähnt, haben Buchverfilmungen es bei uns Lesern ja nicht immer leicht, gerade weil sie den Vorstellungen, die man sich selbst von Charakteren, etc. pp. gemacht hat, oftmals nicht entsprechen. Bei Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (zu Englisch: Before I Fall) ging es mir allerdings nicht so. Wenn ich höre, dass ein Buch verfilmt werden soll, vorausgesetzt ich habe das Buch bereits gelesen, schaue ich mir immer sofort an, welche Schauspieler welche Rollen besetzen. In diesem Fall war es so, dass ich den Trailer, wenn auch ungewollt, bereits kannte und somit bereits die Gesichter der Schauspieler vor Augen hatte, bevor ich das Buch überhaupt zu Lesen begonnen hatte. Während des Lesens mithin hatte ich teilweise bereits die Schauspieler vor Augen. So hatte ich zwar nicht wirklich die Gelegenheit, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, für den Film jedoch war es ganz praktisch, so musste mein Kopf sich im Nachhinein nicht an vollkommen neue bzw. andere Gesichter gewöhnen.

Während des Lesens habe ich mir Notizen zu diversen Szenen und Momenten gemacht, die meiner Meinung nach im Film nicht hätten fehlen dürfen, da sie für die gesamte Storyline und damit verbunden für die Entwicklung der einzelnen Charaktere unglaublich wichtig waren. So kam es dann allerdings leider so, dass viele eben dieser Szenen und Momente im Film nur sehr kurz angeschnitten bzw. nur sehr verkürzt oder gar nicht dargestellt wurden.

Ein sehr wichtiger Moment, wie ich finde, ist der zwischen Samantha und Kent an dem Abend, als sie zum ersten Mal versucht, Juliet davon abzuhalten Selbstmord zu begehen, sie SICH dennoch vor ein Auto stürzt und Sams Freundinnen Lindsay, Elody und Ally in den Graben fahren, nachdem sie sich mehrere Male überschlagen haben. Dieser Moment, wenn Kent Samantha mit zu sich nach Hause nimmt, wenn er sich um sie kümmert; für sie da ist; sie „beschützt“ war gerade für Samantha unglaublich wichtig. Bedauerlicherweise wurde die Szene im Film komplett ausgelassen, was ich tatsächlich als sehr schade empfand.

Ebenfalls gewünscht hätte ich mir, dass man die Szene zwischen Samantha und Katie auf der Schultoilette etwas mehr in den Vordergrund gerückt hätte. Dass man die Storyline bezüglich Katie komplett geändert hat; dass sie nicht die Affaire eines Jungen ist, der eine Freundin hat, sondern lesbisch ist, empfand ich sogar als besser. Der Vorwurf, dass sie sie nur aufgrund ihrer Sexualität hassen, war wie ein Schlag ins Gesicht und hat wieder einmal deutlich gemacht, wie aktuell und wichtig dieses Thema ist. Dieser Moment zwischen Katie und Samantha empfinde ich als sehr wichtig; nicht nur für den Verlauf der Story, sondern auch hinsichtlich der Entwicklung, die Samantha durch macht. Meiner Meinung nach hätte man die Szene im Film definitiv noch etwas ausbauen und intensiver darauf eingehen können, die Umsetzung hat mir dennoch sehr gut gefallen.

Was Mr Daimler, den Mathelehrer von Samantha angeht, hatte ich ebenfalls eine etwas größere Rolle erwartet. Er spielt im Buch vielleicht nicht unbedingt eine ausschlaggebende Rolle, doch in Samanthas Leben tut er das. Seine Rolle kam mir im Film leider etwas zu kurz.

Ansonsten empfand ich den Film als recht gut umgesetzt, die Reihenfolge wurde eingehalten, die Dialoge waren teilweise fast identisch mit denen, aus dem Buch; die Charaktere gut dargestellt und auch das ganze Drum herum, inklusive Musik, passte in meinen Augen ausgezeichnet. Mit Zoey Deutch, die die Rolle der Samantha spielt, muss ich sagen, hatte ich ein paar Probleme. Sie wirkt zu süß, zu nett, zu freundlich; sie mit ihrem hübschen Gesicht, ihrem zarten Lächeln und den großen Augen. Anders, als es zum Beispiel bei ihren Schauspielkolleginnen wie Halston Sage der Fall war, hat man ihr die Rolle als „arrogantes Miststück“ einfach nicht abgekauft. Man sieht von Anfang an, dass sie eigentlich ein netter Mensch ist; gar nicht so, wie Sam in den Büchern dargestellt wird. Sie ist weniger forsch, weniger frech, lange nicht so arrogant und eingebildet; teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass sie – trotz ihrer Hauptrolle – mehr ein Maskottchen ihrer Freundinnen war. Vielleicht wollten die Filmemacher genau das; vielleicht hatten sie Angst, jemand wie Halston Sage in der Hauptrolle für einen solchen Film zu wählen, würde bei dem Publikum nicht ankommen. Allerdings, zumindest was meine persönliche Meinung angeht, ist es genau anders herum der Fall.

Im Gegensatz zu Zoey Deutch konnte mich Halston Sage in ihrer Rolle als Lindsay vollkommen überzeugen. Sie ist heiß, wunderschön, gemein, aber gleichzeitig auch sehr amüsant. Auf der einen Seite liebt man sie, schätzt sie für ihre Loyalität zumindest ihren Freundinnen gegenüber, auf der anderen Seite kann man gar nicht anders, als sie zu hassen. Ganz gleich als wie gut ich die schauspielerische Leistung von Zoey Deutch empfand, hat mich Halston Sage regelrecht vom Hocker gehauen mit ihrer Darstellung der gemeinen, hinterhältigen, allerdings auch verletzlichen Lindsay.

Das was uns schon während des Lesens neugierig gemacht hat, herauszufinden, ob Sam es tatsächlich schafft, etwas zu ändern; sich zu ändern, hat uns auch aufgeregt dem Ende des Films entgegenfiebern lassen. Das Problem hierbei war allerdings, dass man bei Zoey Deutch bereits das Gefühl hatte, dass sie an dem Punkt der Erkenntnis bereits zu Beginn des Films angelangt war. Diese Entwicklung war leider lange nicht so deutlich widergegeben, wie im Buch. Da Sam im Film bereits von Anfang an weder zickig, noch gemein oder arrogant wirkte, sondern eher wie das nette Mädchen von nebenan, hat es einen nicht wirklich gewundert, dass sie am Ende tatsächlich noch die Kurve bekommt und den eigentlichen Sinn des Ganzen erkennt. Für mich war Zoey Deutch, ganz gleich wie gerne ich sie mag, leider eine Fehlbesetzung.

Mit ein paar Ausnahmen hier und da, empfand ich den Film als eine wirklich gelungene Verfilmung; eine Geschichte, die auch als Film wirklich sehr gut funktioniert, auch wenn es teilweise vielleicht an Und täglich grüßt das Murmeltier erinnert.

Die Kameraführung war großartig; die Location und das Setting im Allgemeinen sehr gut getroffen. Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie ist definitiv eine qualitativ sehr hochwertige Verfilmung, die Lauren Olivers Worte auf sehr magische Art und Weise zum Leben erwecken.

Im Großen und Ganzen mochte ich den Film wirklich sehr gerne, würde ihn allerdings nicht als so gelungen wie zum Beispiel die Verfilmungen der Die Tribute von Panem Reihe bezeichnen. Auf Jemanden, der das Buch nicht kennt, könnte ich mir vorstellen, dass der Film etwas langweilig erscheint; als etwas, was es schon hundert Mal gegeben hat, da die Botschaft, die das Buch vermitteln soll, im Film nicht ganz so gut rüber kommt. Nichtsdestotrotz hat der Film Spaß gemacht, die schauspielerische Leistung war toll, die Musik klasse, die Kameraführung perfekt – das ganze Drumherum hat also super gepasst. Allerdings ist es kein Film, den ich mir auf DVD kaufen, geschweige denn mehr als ein oder zwei Mal anschauen würde.

 

 

Habt ihr den Film gesehen? Wenn ja, wie hat er euch gefallen? Was mochtet ihr lieber? Buch oder Film? Oder hat euch beides gleich gut gefallen? Ich freue mich auf eure Kommentare und wünsche euch noch einen wunderschönen Tag!

 

 

4 Gedanken zu “BOOK VS. MOVIE: Before I Fall

  1. Hi Ivy,

    hab schon vor einiger Zeit das Buch gelesen und wollte mir den Film eigentlich unbedingt anschauen, aber wie es so ist, man hat doch seine Bedenken und weil mir die Geschichte gut gefallen hat, wollte ich nicht den Film mein Kopfkino verdrängen lassen.
    Jetzt nach deinem Vergleich bin ich noch stärker davon überzeugt, den Film eher nicht zu schauen oder erst wenn es mal ins Fernsehen kommt.

    Toller Vergleich übrigens! 🙂

    Alles Liebe
    Yvonne

    Gefällt mir

    • Hallo Yvonne,

      danke dir für dein Kommentar. Schön, dass dir mein Buch-Film-Vergleich gefällt 🙂 Ich würde jetzt auch nicht behaupten, dass es eine richtig gute Buchverfilmung ist, das Drumherum hat wirklich sehr gut gepasst, aber alles in allem ist es dann auch für mich eher ein Film, den man sich mal anschaut, wenn er auf Netflix online ist oder eben auf Amazon Prime. Kaufen würde ich ihn nicht, und im Kino hätte ich ihn mir ohne das Kinoticket vom Carlsen Verlag wohl auch nicht angesehen 🙂

      Liebste Grüße
      Ivy

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Juni-licious: Mein Monatsrückblick Juni 2017 |

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