Der Ton macht die Musik

Die Buchcommunity ist ein wunderschöner Ort; ein Ort, nicht nur um Bücher zu diskutieren, sondern um sich auszutauschen, gemeinsame Interessen zu teilen und Menschen kennenzulernen, die dieselbe Leidenschaft hegen: das Lesen. Die Buchwelt ist ein wunderbares Miteinandersein – zumindest sollte es das sein.

Es gibt so viele Bücher, das man sie kaum mehr zählen kann; ebenso viele unterschiedliche Genres und noch mehr unterschiedliche Menschen, die eben diese Bücher lesen und sich dabei vielleicht auch mal untereinander in die Quere kommen. Kein Mensch ist wie der andere; man mag nicht immer dieselben Dinge; der eine liest gerne Erotikromane, der andere bevorzugt Fantasy – wieder ein anderer Contemporary und ganz andere konzentrieren sich auf Bücher die politische und sozialkritische Themen behandeln. Wie langweilig wäre es, wenn jeder gleich denken; jeder gleich handeln würde? Wie langweilig wäre es, wenn jeder dasselbe mögen würde? Es gäbe keinen Diskussionsbedarf mehr; keine Interessenkonflikte – auf den ersten Blick klingt das ziemlich verführerisch. Gleichzeitig käme aber auch der Austausch zu kurz. Worüber denn noch reden, wenn jeder derselben Meinung ist? Immer nur Ja und Amen sagen? Wo bleibt da der Spaß? Wo bleibt da das Leben?

Ich mag es, zu diskutieren. Ich verbringe meine Nächte nicht damit, meinen Freunden und Familienmitgliedern Moralpredigten zu halten, dennoch empfinde ich es als wichtig, dass man hin und wieder Themen, wenn gleich es Tabuthemen sind die kaum thematisiert werden, anspricht; einfach in die Runde wirft um so eine Diskussion zu entfachen.

Genauso wie im echten Leben, empfinde ich dies auch in der Bücherwelt als sehr wichtig. Bei dieser Menge an Büchern; bei all den verschiedenen Genres und Thematiken ist es wichtig, dass man sich austauscht; dass man ausspricht, was einem nicht gefällt – vielleicht sogar die Gelegenheit nutzt, jemand anderem die Augen zu öffnen, besonders was politische und soziale Themen betrifft. Was man in letzter Zeit allerdings immer häufiger in der Buchcommunity beobachten konnte, beschämt mich. Die Art und Weise wie Menschen miteinander umgehen; miteinander sprechen ist inakzeptabel. Natürlich hat jeder das Recht auf seiner Meinung zu beharren; sie in die Welt zu plärren, sodass möglichst viele Menschen sie hören, doch hat niemand, wirklich NIEMAND, das Recht eine andere Person für seine Meinung zu beleidigen, zu beschimpfen, zu mobben, öffentlich zu erniedrigen, zu attackieren oder gar zu bedrohen.

Ich stimme den Stimmen zu die sagen, es sei wichtig, seinen Horizont zu erweitern in dem man „own voice“ Bücher liest, bespricht und kräftig dafür die Werbetrommel rührt; Bücher die eben solche Themen besprechen, die für gewöhnlich in unserer Gesellschaft, obwohl wir bereits das Jahr 2017 schreiben, nach wie vor als Tabu gelten. Ich konzentriere mich seit einiger Zeit sehr stark auf eben diese Bücher und versuche meine Stimme zu nutzen, sie bekannter zu machen. Ich poste und empfehle, ich schreibe und verlinke weil ich persönlich der Meinung bin, dass sich nicht nur die Menschheit und die Welt an sich; sondern auch die Welt der Bücher ganz gewaltig ändern muss – was sie ja tut; so langsam. Wir sind auf dem richtigen Weg aber noch lange nicht dort angelangt, wo wir eigentlich schon sein sollten – dennoch bin ich auch der Meinung, dass man Buchliebhaber, die sich für solche Bücher nicht interessieren NICHT für ihre Meinung angreifen darf. Überhaupt jemanden anzugreifen, sei es nun, weil man seine Meinung nicht vertritt, oder auch wegen Neid und Misgunst, was sich in den letzten Monaten gerade in der Bloggerwelt immer deutlicher abzeichnet. Leben und leben lassen, heißt die Devise oder eben im Fall von uns Büchermenschen Lesen und lesen lassen.

Ja zu Diskussionen, nein zu Hetzjagden. Manchmal habe ich das Gefühl die Menschen vergessen, dass hinter einem Blog, hinter einem Instagram- oder Twitter-Account eben auch ein echter Mensch steht; ein Mensch mit Gefühlen, Empfindungen und Emotionen; ein Mensch, den man nicht kennt. Auf der einen Seite hat das Internet sehr viele Vorteile; auf der anderen Seite lässt es uns ganz häufig unsere Menschlichkeit vergessen, denn wen kümmert es denn schon, wen man da gerade auf Twitter beschimpft oder wem man auf Instagram Hassnachrichten schickt? Es ist ja nur das Internet…

Meine Mutter lehrte mich früher immer, dass es der Ton sei, der die Musik macht. Bleibe respektvoll und höflich, hieß es immer, sei freundlich und wenn du es mal nicht sein kannst, dann sei für den Moment lieber still; zieh dich einen Augenblick zurück, denke darüber nach und versuche es dann noch einmal. Diskutieren kann Spaß machen, sollte es auch, solange man respektvoll bleibt. Niemand sollte aufgrund seiner Interessen und Vorurteile emotional oder physisch bedroht, gar verletzt werden. Ich will damit nicht sagen, dass man homophobe und rassistische Menschen unterstützen sollte, ganz im Gegenteil. Ich bin die Letzte, die so etwas tun würde, dafür setze ich mich zu sehr für die Rechte von Minderheiten ein. Es geht lediglich darum, dass man mit einer höflichen Diskussion; ohne Beschimpfungen, ohne Hasskommentare meist weiter kommt und mehr bewirkt, als mit plumpen Beleidigungen. Und das gilt für alle Parteien … Wenn alle einfach mal friedlich miteinander sprechen, diskutieren würden; würde es kaum so viele Ausschreitungen geben.

Bücher haben die Macht nicht nur uns Menschen, sondern auch die Welt zu verändern. Nutzen wir sie; nutzen wir sie um die Welt, in der wir leben, zu einem besseren Ort zu machen und nicht dafür, Kriege auf den sozialen Netzwerken zu führen.

9 thoughts

  1. Hey 🙂 Momentan erscheinen häufig Beiträge dieser Art. Auf der einen Seite zeigt es ja, dass sich viele davon abgrenzen, auf der anderen Seite kann man von dieser Häufigkeit davon ausgehen, dass doch einiges in der Szene falsch läuft. So etwas ähnliches war bereits zu meiner Anfangszeit der Grund, warum ich mich von der Welt der Buchbloggern distanziert hatte. Ich sehe mich heute noch nicht als Teil davon, dies hat jedoch ganz andere Gründe. Direkt persönlich wurde ich noch nicht angegangen, jedoch hinter meinem Rücken. Etwas anderes hätte ich natürlich nicht erwartet. Wenn man mit seiner Meinung aus der Reihe tanzt, eckt man an. Kenne ich generell durch meine Lebensweise, von daher lässt mich recht kalt. Meine Beobachtung ist die, dass Menschen durch den Umgang im Netz anscheinend vergessen, zu diskutieren. Auch wenn ich einen freundlichen Umgang miteinander ebenso möchte wie du heißt dies nicht, dass wir nicht in kontroverse Auseinandersetzungen gehen sollten. Nicht jeder findet das gleiche Buch gut. Darüber muss man diskutieren können ohne das Person A beleidigt wird weil er es toll fand und Person B beleidigt wird, weil er es furchtbar fand. Spezielle Buchblogger Veranstaltungen meide ich daher mittlerweile. Ein Miteinander auf Augenhöhe findet da eher an anderer Stelle statt, wie dem Litcamp zum Beispiel.

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    1. Ahh ehrlich? Hast du Links zu den Beiträgen? Ich habe noch gar keine gesehen, da du aber schreibst es gibt so viele würde mich sehr interessieren, was andere so darüber/dazu schreiben 🙂

      Es sind ja nicht alle die so sind, aber gerade auf Twitter empfinde ich es mittlerweile als so extrem, dass ich Leuten einfach nur noch entfolge bzw Twitter nur noch nutze für News von Autoren oder meinen Lieblingsstars. An solchen Hassdiskussionen nehme ich nie Teil, ich beobachte nur regelmäßig aber selbst das wird mir teilweise zu viel. Mich juckt es immer in den Fingern, auch noch meinen Senf dazu zu geben weil es einfach so nervt, aber im Grunde halte ich mich dann doch lieber zurück, weil ich einfach kein Bock habe auf so einen Kindergarten. Mich komplett zurückziehen würde ich nie, dafür liebe ich die Community viel zu sehr – auch wenn sie mir manchmal richtig richtig auf die Nerven geht 😀 🙈

      Gefällt 1 Person

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